

Kommende Ausstellung
»Nothing Personal: The Back Office of War«
Fotografien von Nikita Teryoshin
Ausstellungseröffnung am Mittwoch, den 14. Oktober um 19 Uhr
Ausstellung vom 15. Oktober bis 22. November, Do.-So. von 12 bis 18 Uhr
Im März nächsten Jahres verwandelt sich das hannoversche Messegelände in eine Bühne für die große Inszenierung des Krieges. Während die Deutsche Messe AG zur Waffenmesse lädt, zeigt die GAF im Vorfeld die Arbeiten des Fotografen Nikita Teryoshin: »Nothing Personal: The Back Office of War.«
Für seine Langzeitserie ist Teryoshin an 17 Orte gereist, dorthin, wo Krieg nicht stattfindet, sondern vorbereitet, verkauft und verhandelt wird. Seine Bilder führen hinter die Kulissen einer Welt, die sich der medialen Öffentlichkeit meist entzieht. Und doch ist auf ihnen fast alles zu sehen – nur eines fehlt: die Gesichter der Waffenhändler, Lobbyisten und Offiziere. Sie bleiben auf allen Bildern unsichtbar. Ihre Welt aber ist in seinen Bildern zum Greifen nah. Teryoshin fotografiert nicht die Zerstörung des Krieges, sondern dessen makellose Vorstufe. Keine rauchenden Ruinen, kein Blut, keine Opfer. Stattdessen polierte Waffen im Scheinwerferlicht, glänzende Panzer, Raketenwerfer und Ausstellungsstände, an denen tödliche Technologien neben Wein und Fingerfood präsentiert werden. Die Geschäfte des Krieges werden in gedämpften Lounges angebahnt, während Milliardenumsätze hinter freundlichen Gesprächen und gepflegten Fassaden verschwinden.
Es ist eine Welt, in der Waffen aussehen wie Konsumgüter und Krieg wie eine Dienstleistung. Die Messehallen erinnern an überdimensionierte Spielplätze für Erwachsene: glänzend, sauber, gut ausgeleuchtet. Alles ist vorbereitet für den nächsten Auftrag. Der Tod ist hier nicht sichtbar – nur sein Markt. Gerade in dieser scheinbaren Harmlosigkeit liegt die verstörende Kraft von Teryoshins Bildern. Sie stehen quer zu den vertrauten Bildern der Kriegsberichterstattung, die uns das Geschehen von seiner zerstörerischen Seite zeigen. Teryoshin blickt dagegen auf jene Orte, an denen Krieg noch keine Opfer hat, sondern Produkte, Preise, Präsentationen und Verträge.
Seine Blitzästhetik verstärkt diesen Eindruck in seinen Bildern. Das harte Licht lässt die Szenerien zugleich grell und künstlich erscheinen, wie Bühnenbilder eines absurden Theaters. Die Realität wird nicht verschleiert, sondern so hell ausgeleuchtet, dass ihre Absurdität sichtbar wird. Nothing Personal erzählt deshalb nicht nur von Waffen. Die Serie erzählt von einer Gesellschaft, die gelernt hat, das Ungeheuerliche zu normalisieren. Von einer Welt, in der sich Krieg ausstellen lässt wie ein Produkt – sauber, effizient und mit einem Glas Wein in der Hand.
Nikita Teryoshin, geboren in St. Petersburg, lebt und arbeitet in Berlin. Der Fotograf interessiert sich für die Widersprüche, die sich im scheinbar Alltäglichen verbergen. Mit Ironie, visuellem Witz und einem präzisen dokumentarischen Blick untersucht er Macht, Ökonomie und gesellschaftliche Routinen. Immer wieder findet er jene Momente, in denen das Gewöhnliche ins Surreale kippt. Seine Arbeiten wurden international ausgestellt und vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem World Press Photo. Für die Langzeitserie »Nothing Personal – The Back Office of War« dokumentierte er zwischen 2016 und 2025 internationale Rüstungsmessen. 2024 erschien die Arbeit als Buch bei GOST Books. Teryoshin arbeitet zudem für zahlreiche deutsche und internationale Magazine.
Galerie für Fotografie in der Eisfabrik (GAF)
Seilerstraße 15d
30171 Hannover
Der Eintritt ist frei.
Telefon: 0511-89977313
E-Mail: galerie@gafeisfabrik.de